Pastoralverbund Herford

Pfarrkirche St. Johannes Baptist

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes - Baptist in der Komturstraße ist äußerlich recht unscheinbar und tritt mit ihrem kleinen Dachreiter auch im Stadtbild kaum in Erscheinung. Sie ist Teil einer Gruppe von Gebäuden, die noch heute einige Grundlinien der Komturei des Malteser-Ritterordens erkennen lassen,die hier etwa 600 Jahre lang bestand (ca.1231-1808). Dazu gehört auch das Pfarrhaus: Es ist das frühere, eigentliche Komturei-Gebäude und gilt als das älteste Herforder Steinhaus aus der Zeit der Gotik. Das ehemalige Ökonomiegebäude der Malteser-Komturei neben der Kirche wurde später Waisenhaus und Schwesternstation. Von dieser Komturei aus nahm das katholische Leben in Herford vieder einen neuen Anfang, als im Verlaufe der Reformation alle Kirchen der Stadt protestantisch geworden waren und am Ende des 17. Jahrhunderts nur noch wenige Katholiken in Herford wohnten.

Die Kirche besteht architektonisch aus zwei klar voneinander getrennten Teilen: Der ältere (östliche) Teil ist aus der Kapelle der Malteser- Komturei hervorgegangen, die 1715/16 unter der Verantwortung des Komturs von Schaesberg völlig neu gebaut wurde. Diesem Barockteil wurde 1890/91 ein neuromanischer Erweiterungsbau angefügt: Im Zuge dieser Baumaßnahme wurde der Altar in die nach Westen ausgerichtete Apsis verlegt, während der Haupteingang an das östliche Ende der Kirche kam.

Der Besucher betritt die Kirche vom Innenhof des alten Komturei-Geländes aus und steht in der Kirche zunächst unter der Orgel-Empore, die sich über dem einstigen Platz des Altares erhebt. Halb verdeckt durch die Brüstung sind die Bilder zweier Frauengestalten, die für Herford bedeutsam waren: Der hl. Königin Mathilde, der Mutter Ottos des Großen, die als Tochter aus sächsischen Adel um 900 im Herforder Kloster erzogen wurde, und der hl. Pusinna, deren Reliquien 860 aus Frankreich nach Herford überführt wurden und hier zur Entwicklung der Stadt zu einem Wallfahrtsort beitrugen.

Die beiden nächsten Bilder stellen (rechts) die Gründung der Stadt durch Waltger/Wolderus im Jahre 789 sowie (links) die Marienerscheinung auf dem Luttenberge (um 940), die "Vision", dar. Alle vier Bilder entstanden - ebenso wie das Deckengemälde (Aufnahme Mariens in den Himmel) - bei einer großen Renovierung der Kirche in den Jahren 1949-51. Bemerkenswert in diesem Barockteil sind noch das Ölgemälde von der Taufe Jesu im Jordan - es ist das Altarbild aus der alten Barockkirche - und die Schutzengel-Gruppe aus dem 18. Jahrhundert. Die beiden Wappen unter der Decke sind die des Komturs von Schaesberg (über der Orgelempore) bzw. des Papstes Leo XIII. unter dessen Pontifikat der Erweiterungsbau errichtet wurde.

Vom Übergang zwischen den beiden Kirchenteilen aus, etwa unter dem päpstlichen Wappen, übersieht man den neuromanischen Teil der Kirche sehr gut. Die Fenster (1950) stellen Szenen aus dem Marienleben (rechts) und aus dem Leben des Kirchenpatrons dar (links). Das Apsis-Fenster mit dem thronenden Christus wurde erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt und freigelegt. Unter diesem Fenster steht das Mittelstück des früheren Altars, die Kopie eines älteren Mindener Altars aus der Wiedenbrücker Schule. Die Pieta unter der Orgelempore und das Kruzifix über dem Tabernakel (rechts) sind Schnitzarbeiten aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Das Epitaph an der rechten Wand erinnert an Theodor Torwesten, einen Verwalter der Herren von Westfalen im 17. Jahrhundert, der in den schwierigen Jahren nach der Reformation auch ein besonderer Förderer der Gemeinde war. Die Johannes-Statue (links) neben dem Sakristeieingang ist eine Arbeit der Wiedenbrücker Schule aus dem 19. Jahrhundert. Die übrige Einrichtung dieses vorderen Kirchenteils (v.a. Altar, Ambo, Tabernakel) wurde vor rund 50 Jahren nach den Richtlinien der Liturgie-Reform neu gestaltet.

Text nach:
Kleiner Kirchenführer
© Dr. Rainer Brackhane



Pfarrhaus (Komturei-Gebäude)
Taufstein
Johannes der Täufer