Sie sind hier: Das Wort unseres Pfarrers  
 
Der Chor
Kinder und Familiengottesdienst
Pfadfinder
Messdiener
Mathilde – Brücke zwischen Quedlinburg und Herford
Kirchbauverein
Pfarrbrief als PDF
 
Pfarrer Udo Tielking
Pfarrer Udo Tielking
Herforder Goldene Tafel
 
 
 

7. Sonntag in der Osterzeit / A / 32052 / 05.06.2011 / Apg 1,12-14

Zum Heiligen vordringen

Die Berge haben eine besondere Faszination. Stellen Sie sich in Gedanken auf einen Berg, den Sie bestiegen haben, auf dessen Spitze Sie gestanden haben. Es muss gar kein hoher Berg sein, schon zwei-, dreihundert Meter genügen, aber es kann auch die Erinnerung an die Zahnradbahn zum Matterhorn sein.
Auf Berge zog sich Jesus gern zurück, auf Berge schickt er seine Jünger. Berge sind für ihn die Orte, wohin er sich zurückzieht und wo er betet. Zu solchen bevorzugten Bergen gehören der Ölberg im Neuen Testament und der Berg der Verklärung Jesu. Die Botschaft der Heiligen Schrift hat auf den Bergen ihre Erfüllung gefunden. Wer einmal in Jerusalem gewesen ist, erinnert sich an den überwältigenden Überblick über die heilige Stadt Jerusalem. Von der heiligen Schrift her erinnert dieser Ort immer wieder daran, dass vom Standpunkt Gottes aus gesehen vieles anders erscheint als aus unserer begrenzten menschlichen Sichtweise. Man besteigt vielleicht ein Schiff und erfährt die Weite des Horizonts oder einen Berg. Man geht aus dem Flachland in die höher gelegene Stadt oder ins Gebirge. Die Menschen, die nach Santiago pilgerten und ein Jahrtausend lang vergessen hatten, dass jenseits des Ozeans noch Kontinente waren, suchten Heiliges. Man steigt hinauf, sucht vielleicht wie die Frommen aller Zeiten die Vollendung in der Weite oder auf einem Berg und hofft das Hinaufsteigen zu jener Höhe, wo ich Heiliges erfahre.
Es geht nicht nur um den überwältigenden Blick, den man hat. Es geht um Teilnahme am überwältigenden Blick Gottes, den man bekommen kann. So bekommt der Ölberg seine überragende Bedeutung. Am Fuße des Ölbergs wird Jesus der triumphale Einzug in Jerusalem gemacht, dieser Berg erlebt seine Todesangst und von diesem Berg fährt er in den Himmel auf. „Von diesem Berg, der Ölberg heißt, kehrten sie nach dem Weggang Jesu in die Stadt Jerusalem zurück.“ ( Apg 1,12) Auf der Höhe des Ölbergs ist ihnen klar geworden, dass sie jetzt im Dienst des erhöhten Herrn stehen. Auf der Höhe haben sie Heiliges erfahren.
Einer, der oben war, Jesus, ist herabgestiegen. Welche Hoffnung! Da weiß einer etwas von himmlischen Dingen. Einer, der oben war, weiß wie es oben ist. Aber dieser Eine steigt herab, um es denen unten mitzuteilen. Wir leben aus der Botschaft, die uns einer gebracht hat, der sich im Himmel auskennt. Wir leben mit einer himmlischen Perspektive. Wer das Wort Gottes gläubig annimmt, der hat einen Begleiter, der die Erdenreise mitgemacht hat. Wer Gottes Wort annimmt, der überschreitet aber mit seinem Gott die Grenze seines irdischen Lebens. Er wird auf einen Berg gestellt. Er wandert aus der Ebene des Todes auf den Berg, er überschreitet die Grenze zur Auferstehung. Und der, der herabgestiegen ist und der, der hinaufsteigt, sind identisch. Nachdem Jesus seine Jünger über die himmlischen Dinge belehrt hat, steigt er wieder hinauf und findet seinen ursprünglichen Ort beim Vater. Kein kosmischer Raum sondern ein göttlicher Raum. Das ist die Botschaft Jesu: Im Auf und Ab des Lebens zwischen Himmel und Erde kann man sehr leicht ausschließlich zu einem Erdenpilger werden. Mit seiner Rückkehr zu seinem Vater lässt er uns über die Grenze dieser Erde und unseres Lebens hinausschauen. Gleichzeitig ist unmöglich Erscheinendes schon geschehen: Das Leben hat in der Auferstehung schon gesiegt. Die Rückkehr Jesu zum Vater macht uns eine vergessene Hoffnung deutlich: Unsere Heimat ist im Himmel. Wir Christen dürfen schon jetzt und hier aus jener himmlischen Welt leben, in der Christus herrscht. Diese Stunde des Sonntagsgottesdienstes ist solch himmlische Welt, die Sakramente, die Gebete, die Nächstenliebe sind Zeichen einer sonst unzugänglichen, unglaublich erscheinenden Welt, die uns Christus gebracht hat. Wenn es ganz gut geht, werden wir selbst ein Stück Himmelsexperten. Amen.

Udo Tielking



nach oben



 
  Stand: 10 Juni, 2011  
c.p.nitzpon