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Pfarrer Udo Tielking
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16. Sonntag im Jahreskreis / 18.07.2010 /

Stellen Sie sich vor, Sie stehen plötzlich vor einem Wandgemälde mit dem (oben) abgebildeten Buchstabenchaos.

Ist es die Installation eines Event-Künstlers? Dabei ist das obige Buchstabenchaos nur einfach aus dem fünfzehnten Jahrhundert in die Moderne übertragen worden. Das Original ist ein rätselhaftes Fresko aus der Heilig-Geist-Kirche in Wismar. Für einen Mathematiker eine Sensation, zweihundert Jahre vor dem so genannten Pascalschen Dreieck gearbeitet. Der Beobachtende wird aufgefordert: Lies und bleibe stehen! Gibt es vielleicht doch eine Ordnung für die neunundneunzig Buchstaben? Es fällt auf, dass die Buchstaben von der Mitte her spiegelbildlich angeordnet sind. Dann fällt der große Buchstabe D auf und in den vier Ecken ein S.
 Wenn wir versuchen, vom D zum S zu kommen, dann ergeben sich auf vielfältigen Wegen gradlinig oder treppenförmig die Worte DEO GRATIAS. -DANK SEI GOTT. Der Betrachter soll beim Enträtseln über die vielen Wege des Schriftbandes aber auch über seine eigenen Wege nachdenklich werden. Er soll Gott dafür danken, dass Gott auf den Wegen dabei ist und welcher Wert es ist, ein Leben zu führen, dass seine Mitte in Gott hat. Wer dies ausprobiert, wird über die Fülle der Wege erstaunt sein Wenn man sich auf die Weg suche des alten Freskos aus Wismar einlässt und wer sein Leben von Gott her aus der absoluten Mitte begreift, entdeckt viele Wege, für die er Gott danken kann. Wer Gott und Dank nicht trennt, bei dem Ereigneten, Geschaffenen, den eigenen Fähigkeiten und auch Schwächen stehenbleibt, der kommt zu seinem persönlichen Lebenskosmos. Das Chaos wird zum Kosmos, wenn wir unseren Lebensweg enträtseln, d. h. unseren Dank in die Dimension Gottes hineinstellen Die Mitte und der Rand, das Alltägliche und das Ewige, werden verbunden. Wenn auf den ersten Blick das Rätsel des Lebens ein Chaos zu sein scheint, dann kann in der Reflexion, im Stehenbleiben und im Lesen des eigenen Lebensweges der Lebenssinn entdeckt werden. Das Rätsel des ersten Chaos wird zum Kosmos der vielen Wege die mit Dank erfüllen.

Der Betrachter dieses Buchstabenrätsels wird auch nach circa sechshundert Jahren vor den verwirrend vielen Wegen seines Lebens stehen, die sich letztlich zu einem einzigen sinnvollen Ganzen zusammensetzen. Gott sei Dank „geht Gott alle Wege mit“ (Alfred Delp).
Es ist eine Einladung, vom Bild an der Wand zum enträtselnden Gang durch das eigene Leben zu kommen. Beim Hinsehen werden das Bild und unser Leben vom Chaos zum Kosmos. Wie das Wismarer Bilderrätsel bieten sich immer wieder neue Möglichkeiten zum Danken Das ist spannender und aufbauender als so manche Pflege von Misserfolg und Pessimismus. Es lohnt sich, hinzuschauen, um die vielen Gründe zu entdecken, sein Seelenleben gesunden zu lassen, die Wunden des Lebens zu heilen und zu sagen:
DANK SEI GOTT -DEO GRATIAS.

Übrigens muss ich den Mathematikern glauben, die das Wort Deo Gratias fünfhundertvier Mal in dem Wismarer Fresko errechnet haben.

Udo Tielking

 

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  Stand: 17 Juli, 2010  
c.p.nitzpon